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| Band 1 | Die Suite der Nadelbäume |

Teil I
     
Vorwort
 
   
Präludium:
Menschsein im Erscheinenden und Verborgenen
 
1.
Vom Zu-fall zum Zu-fall
 
2.
Vom Erscheinenden und Verborgenen
 
3.
Vom Menschsein als Ort und Frucht der Begegnung
     
I.   Ouverture: Mensch und Schöpfung
 
1.
Mensch und Gott
 
2.
Mensch und Baum + Kadenz I: St. Jakob in Kastellaz
 
3.
Mensch und Nadelbaum + Kadenz II: Intuition und Inspiration
   
II.   Sarabande: Juniperus communis -
Wacholder + Fantaisie con variationi über "Gold, Weihrauch und Myrrhe"
     
III.
  Menuet: Abies - Schwarzfichte
Bourrèe: Sabina - Sadebaum
Tombeau po’ La Grande Dèesse: Taxus baccata - Eibe
 
IV.
  Musette: Menschsein - Frucht der Begegnung von Himmel und Erde Rondeau: Die Botschaft der Nadelbäume zu Freiheit, Liebe und Hingabe Chaconne: Nadelbäume und Angst - Lösungswege
 
 
V.
 

Air: Cupressus sempervirens - Zypresse
Passacaille: 7 Hypothesen zur Krebskrankheit
Courante: Thuja occidentalis - Thuje

 
 
VI.
  Polonaise: Larix europaea - Lärche
Contredanse: Pinus cembra - Zirbe
Gavotte: Pinus silvestris - Föhre
Gigue: Pinus cedrus - Zeder
     
Postludium:
  Die Spirale des Bewusstseins. Von der Lust, Wirklichkeiten nicht mehr so absolut zu nehmen
     
Nachwort
 
     
Teil II
  Anhang für den Homöopathen
     

Vorwort

'Darüber solltest du unbedingt ein Buch schreiben', meinte mein Schriftstellerfreund Lothar, als wir nach einem Vortrag über meine Erlebnisse als Jakobspilger ins ferne Stantiago di Compostela noch bei einem guten Gläschen zusammensaßen. Damit war, wie so oft im Leben, wie zufällig ein erster Anstoß gegeben. Der Gedanke, ein Buch zu schreiben, das meine Erfahrungen und Einsichten als Arzt, Therapeut, Musiker und Pilger zusammenfaßt, sollte mich fortan begleiten. Zunächst witterte ich nur eine erneute Möglichkeit, mir für mein schon einberaumtes, zweites Sabbathjahr, in dem ich meine gewohnte Tätigkeit der ärztlichen Praxis wieder unterbrechen wollte, ein gutes Alibi zu verschaffen. Dieses Alibi würde mir gut helfen, auf die erfahrungsgemäß zu erwartenden Fragen, was ich denn in diesem Frei-Jahr tun wollte (- aber wie soll ich das denn wissen, wenn ich mich doch gerade von dem frei machen möchte, was ich als Alltag meines Lebens - also einer Zeit, in der ich immer genau weiß, was als nächstes dran ist - zur Genüge kenne?), eine allseits respektierte Antwort parat zu haben: denn vor meinem ersten Sabbathjahr musste ich mir auf die Frage, ob ich denn noch alle Tassen im Schrank hätte, wenn ich meine Arztpraxis so einfach stilllege, aufwändige Rechtfertigungen einfallen lassen, um die geordnete Welt, in der ich zu leben glaubte, nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Mein Freund hatte aber mit seiner Anregung eigentlich nur etwas aufgegriffen und verstärkt, was in mir schon zum Ausdruck kommen wollte. Denn wann immer ich mir bisher die Erlaubnis gegeben hatte, mich aus abgesichertem und berechenbarem Lebensvollzug dem Ungewissen auszusetzen, folgte vom Leben her promt eine Antwort, die mich als Geschenk überraschte. Es fiel mir besonders dort zu, wo ich mich aus schon vertrauten und liebgewordenen Bildern über mich und mein Leben entließ, um gleichsam in ein Nichts an Vorstellung und Vorwissen erneut wie ein Lebensanfänger einzutreten: wie in eine Leere, die als offener Lebensraum geheimnisvoll in mir lag. So lernte ich mich langsam kennen als einer, der seiner Intuition - die aus diesem Nichts zu kommen scheint - mehr und mehr vertraute; auch als einer, der auf die Botschaften seiner Inspiration - die aus dem Nicht-Bewußten einfallen - immer hellhöriger wurde. In vielen Seminaren für homöopathische Ärzte und Therapeuten, die der Dimension von lebendiger Spiritualität und systemischer Sichtweise gegenüber offen waren, formulierte sich dabei ein Bild vom Menschen, das seine verborgene Dimension - aus der ich mich eben auch geführt und erfüllt erlebe -, als unerschöpfliche Quelle in sich anerkennt. Die Frage dabei ist, wie und wodurch mir scheinbar verwehrt ist - oder ich mir nicht erlauben darf -, von dieser sich wie umsonst verschenkenden Dimension in mir das zu nehmen, was mich nährt, und das zu lassen, was ich nicht mehr brauche. Denn so vieles nehmen wir im Leben nicht, obwohl es sich uns anbietet. Und so vieles brauchen wir gar nicht mehr, spüren längst, daß es nicht mehr zu uns paßt, und halten doch hartnäckig daran fest. Jeder kennt wohl dieses Verhalten als ein zwanghaftes und ängstliches Muster in seinem Leben. Vor dem Hintergrund dieser kollektiv vorherrschenden, sich selbst einschränkenden Lebenshaltung tauchte in mir früh die Frage nach der Freiheit des Menschen wie eine zentrale Hieroglyphe auf, die ich in ihrer Brisanz erst nach und nach erfasste und zunehmend als den entscheidenden Wendepunkt des Lebens verstand. Mir wurde auch bewusst, dass das, was wir Krankheit nennen und als solche bekämpfen - aber auch als unser Kranksein erleben und erleiden -, mit der (bewussten oder unbewussten) Weigerung zu tun hat, familiäre Prägungen und gesellschaftliche Übereinkünfte zu lassen, um Freiheit zum eigenen Maß im Leben hin zu leben: insbesondere auch Freiheit, anders als bisher auf mich selbst und auf die Welt hinzuschauen, um aus dadurch neu gewonnenem Blickwinkel einer überraschenden Wende in mir und meinem Leben Raum zu geben. Aus diesem heraus begriff ich in meiner ärztlich-therapeutischen Tätigkeit die homöopathische Arznei (aus der den Menschen umgebenden, also einer ihm nahen Natur erkannt und aufbereitet) als treuen Begleiter auf heilsamen Weg. Nicht mehr der Kampf gegen die Krankheit, sondern das Engagement für einen aussöhnenden Weg wurde zu meinem ärztlichen Selbstverständnis. Mehr noch: in dieser Entscheidung nach gegen oder für wurde mir die Sicht anvertraut, dass der Mensch von inneren und äußeren Aspekten begleitet ist, die ihm nahe stehen: viel näher oft, als er es in seinem Bewusstsein zulassen möchte. So gerät das Leben oft zu einer einzigen, von Ambivalenz gezeichneten Abwehrschlacht gegenüber dem, was zu uns kommen möchte - weil es doch immer schon zu uns gehört.

Auch jede Beziehung spiegelt diese ambivalente Haltung dem Leben gegenüber. So trägt sie einerseits in sich Sehnsucht nach vollständigem Ankommen und Angenommenwerden - des ICH im DU: denn so wie ich bin, möchte ich doch lieben und geliebt werden, muß aber andererseits auch Angst und Abwehr vor gerade diesem Ersehnten ertragen. Sie will Freiheit und bedingungslose Liebe schenken und stößt doch auf schmerzvolle Beschränkung und Ohnmacht. Meine Frau Ingeborg und ich sind diesen Weg hin zu diesen Freuden und Leiden, die sich in allen ICH-DU Beziehungen variieren, gegangen - füreinander Geschenk ebenso wie auch Zumutung. Die Frucht des gegenseitigen Ertragens, aber immer auch geheimnisvollen Begegnens in dem, was wir Liebe nennen, ist nicht nur in unseren vier Kindern herangewachsen, sondern auch in einander begleitendem Ringen um Einsicht in und um Respekt vor uns selbst. Die Naturreiche von Stein, Pflanze und Tier, die sich als homöopathische Arznei dem Menschen intim nähern, wurden für uns in dieser Auseinandersetzung mehr und mehr wie zu Geschwistern, deren bloße Existenz schon Geborgenheit und Heimat erfahren ließen. Denn als solche vermitteln sie uns eine zentrale Botschaft: es ist die aus Engelmund verkündete Bestärkung des 'Fürchte dich nicht' - nicht vor dir selbst, nicht voreinander, nicht vor der Welt - auch nicht vor deinem eigenen Leben und Schicksal. Diese Botschaft - im Buch vielfältigst in der Wirklichkeit der Nadelbäume, die ja allesamt Lebensbäume sind, zum Ausdruck gebracht -, ist durch Ingeborg über einen Zeitraum von 7 Jahren Schritt für Schritt formuliert, zunächst mir zum Geschenk, dann aber - in die Heilkunde integriert und in ihrer therapeutischen Konsequenz verstanden -, an interessierte Laien, Ärzte und Therapeuten weitervermittelt worden. Dieses vorliegende Buch krönt somit die lange Auseinandersetzung mit der Frage, was denn das Heilende in uns selbst und in der Welt ist, welche Hindernisse in uns und in unserer Welt diesem entgegenstehen, und welchen Blick, auch welchen Schritt es im Leben braucht, um dem Heilenden in uns einen Raum zu geben, in dem es sich - ungestört - vollziehen kann.

Meine einzige und wohl angemessene Antwort auf die Existenz jener Zumutungen und Zuerkennungen, wie sie sich in diesem Buch durch Ingeborg und mich ausgedrückt haben, ist die der tiefen Dankbarkeit. Sie richtet sich an die Quelle in mir, in uns - aber auch an alle jene, die mir in meinem Leben eine Herausforderung waren, die ich geradezu wie dringend gebraucht hatte, um den roten Faden im Leben wieder herzhaft aufzugreifen: um noch mutiger für ihn und mich selbst einzustehen. Sie alle aber haben mir geholfen, das Leben als einen sich selbst erschaffenden, offenen und unermesslichen Akt der Liebe zu verstehen, als eine kraftvolle Bewegung in mir selbst, die mich erreichen und berühren und tragen möchte.

Das Buch wendet sich an alle, die es lesen möchten, ohne Einschränkung. Aber auch an den homöopathischen Arzt und an den dazu bereiten Therapeuten, der meine Einsichten in das Wesen des Menschen im Spiegel der Koniferenarznei mitvollziehen möchte. Für sie ist an das Buchende ein Anhang gestellt, der die wesentlichen Arzneidifferenzierungen und für die Therapie hilfreichen Zuordnungen vermerkt. Ihm mag der interessierte Laie nach seinem eigenen Ermessen Aufmerksamkeit schenken. Nur in diesem Anhangsteil wird dieses Buch zu einem Fachbuch für Heilkundige. Ansonsten richtet sich die gesamte Buchreihe - in Vorbereitung sind noch 3 weitere Bände, die das umfangreiche Material zum Thema des Menschen und seiner Wirklichkeit vertieft darstellen werden - an jeden Menschen, dem das Menschsein, sein Scheitern und seine Erfüllung, zu einer drängenden Frage geworden ist. Für ihn liegen hier Antworten bereit, die im Grunde nicht neu (eher sind sie Erinnerungen an eine innewohnende Gewissheit), aber dennoch vielleicht so ungewöhnlich sind, dass sie zu herausforderndem und inspirierendem Anlaß werden könnten, die Frage der Fragen - wer bin ich? - wiederum neu zu bedenken.

Abschließen möchte ich mit der Bitte, mir das in diesem Buch gepflogene DU nicht übel nehmen zu wollen. Es will weder die Integrität des Lesers missachten noch sich an ihn anbiedern, sondern es richtet sich an das DU in jedem Menschen, das wir zueinander auch sind. Dasselbe gilt auch für die Bevorzugung der männlichen Form der persönlichen Fürwörter, die sich hier immer auf den Menschen schlechthin beziehen, jenseits seines Erscheinens als Frau oder Mann.


Montepertuso, März 2004